Geschichte

1832 bis 2008 – Geschichte der Studentenverbindung Helvetia

Fechten

Die Wurzeln der couleurtragenden Studentenverbindungen (Studentengemeinschaften gab es, seit es Unis gibt!) sind im Deutschland des 19. Jh. zu suchen. Einen sehr guten Überblick dazu gibt das Online-Lexikon Wikipedia unter dem Lemma Studentenverbindung. Die Funken der Pariser Julirevolution von 1830, bei der v. a. von Studenten die Errungenschaften der Französischen Revolution zu verteidigen versucht wurden, sprangen erst nach Deutschland, und dann auch auf die Schweiz über. Es kam auch in der Schweiz zu handgreiflichen Auseinandersetzungen (in Neuenburg etwa oder bei Gelterkinden) zwischen Bürgerlichen und “Radikalen”, wie damals sich liberal Gesinnten nannten. Und die jungen Herren Studenten, die anno 1832 am Pfingstmontag im Gasthof Engel zu Hitzkirch (LU) die gesamtschweizerische Studentenverbindung Helvetia gründeten, waren allesamt “radikal” gesinnt: schwärmerische Kinder der Französischen Revolution sozusagen. Sie waren Mitglieder des Zofingervereins, einer anderen Studentenverbindung, gewesen und aus ihm ausgetreten, weil ihnen der Zofingerverein zu wenig “radikal”, also zu konservativ war. Man ahnt: Unsere Baby-Helvetia schien eher eine Art Politforum der “radikalen” Jugend gewesen zu sein als eine Studentenverbindung, wie wir sie heute kennen. So steht noch 1857 in einer Gründungsurkunde unmissverständlich geschrieben: „L’Helvétia accepte et professe les principes démocratiques“. Biercomment und Mensurwesen waren, wenn es sie überhaupt schon gab, Marginalien. Daher verwundert es auch überhaupt nicht, dass von Anfang an in der Promi-Galerie der Helveter fast nur politische, z.T. gar bundesrätliche Köpfe glänzen: etwa Jakob Stämpfli, Niklaus Niggeler, Jakob Dubs und der Kommunist und Antimilitarist Franz Welti, der 1921 leider exkludiert wurde.

Helvetia-Sektionen wurden seit der Gründung mit Enthusiamus in diversen CH-Städten gegründet, die gingen aber ausser der Berner Sektion bis 1836 allesamt ein. Die Geschichte der einzelnen Sektionen ist geprägt von einer verwirrenden Abfolge von Gründungen (etwa Section Vaudoise: 1848), Umbenennungen, Aufsplitterungen und Suspensionen. Soviel zu Basel: 1860 wurde hier die erste kurzlebige Sektion gegründet. Es fällt auf, dass die Basler offensichtlich trinkfreudiger waren als andere Sektionen, denn sie wollten gleich nach der Gründung den Biercomment einführen, was ihnen vom Zentralvorstand nicht erlaubt wurde. 1876 traten sie gar aus dem Zentralverband aus. Die Basler Sektion war politisch weniger aktiv als die anderen, doch später während der Nazizeit wurde es dann auch sie. Jede Woche wurde ein Vortrag gehalten.

Kurzum, seit etwa der Jahrhundertwende existiert die CH-Studentenverbindung Helvetia in Basel, Bern, Zürich, Lausanne und Genf ununterbrochen. Das freisinnig-politische Moment trat nach und nach in den Hintergrund, das studentische (Biercomment, Mensurwesen) gewann an Gewicht. Die Mitglieder der Helvetia tragen heute das karmesinrot-weiss-karmesinrote Band – Fuchsenbänder gab es nie – sowie die karmesinrote Mütze. Die Helvetia trägt das Motto: “Vaterland, Freundschaft, Fortschritt“. Dies drei Begriffe aus der Gründerzeit, die in unseren Reihen immer wieder neu diskutiert und reflektiert werden…

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